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Handelsbeziehungen des Lungau mit Konstantinopel

Etwas über die einstige Papierfabrik in Madling: Was mir der Herr Ortner, 50 jähriges Mitglied der sozialistischen Partei erzählte; seine Frau ist im Sommer 1963 gestorben und nach Tradition verbrannt worden; und was ich sonst noch erfahren habe.

1903 wurde das Werk erbaut und 1926 an den Fürst Schwarzenberg verkauft. Erster Leiter der Fabrik hieß Baudisch. Ortner selbst stammte aus Lutzmannsdorf bei St. Ruprecht in der Steiermark. Sein Vater war Bauer und hatte 36 Rinder. Damals gab es noch Einleger. Dieser wurde im Hause des Vaters mit Wäsche versorgt, bekam ein gutes Essen und wohnte in dem Hause. Weil er lahm war, lud man ihn auf einen Ziehkarren und brachte ihn zum Nachbarn. Dieses gute Vorbild der Behandlung des Einlegers mochte im Herzen Ortners das Gefühl für soziale Gerechtigkeit geweckt haben.

Es waren ihrer 4 Buben und sie waren sehr lebhaft. Der Schulweg nach St. Georgen war sehr lang. Der Pfarrer nahm sie oft mit "wegen ihrer Lebhaftigkeit" und sie mußten in seiner Kanzlei zum Ofen knien, und wurden hie und da auch mit dem "Spanischen Rohr" liniert (d.h. auf dem Hintern mit roten und blauen Linien versehen). Groß geworden mußte er nach Laibach zum Militär. Dort war er mit Dalmatinern beisammen. Ein Dalmatiner kommandierte den Zug: " Direxion, wo Kuh sch.... und wenn Kuh weg, wo dann Kuhdreck"? Er beherrschte die deutsche Sprache nicht. Vom Militär zurückgekehrt hatten seine Brüder das Weite gesucht wegen zu wenig Verdienst. Der Vater hatte alles Verkauft und die ganze Wirtschaft bestand nur noch aus 2 Kühen, die dann Ortner übernehmen mußte.

Als Ortner aber gänzlich vom Militär zurück war wurde er vom Leiter der Papierfabrik in Madling als Nachtwächter aufgestellt. Da mußte er aufpassen, daß nichts vom Holz weg kam. Dabei mußte er zu sechs Stechuhren gehen. Wenn man bei solch einer Stechuhr mit dem Schlüssel umdrehte stach ein Stift in die hölzerne Uhr, die innen ein Papierband mit der Stundenzahl 0-24 hatte, so daß man wußte das der Nachtwächter da war. Bei Tag konnte sich der Nachtwächter niederlegen und schlafen.

Später kam Ortner zum sogenannten Koller dort waren zwei große Steine die Papier zu Maschee verarbeiteten, und zuletzt zum Holländer. Der Holländer machte eine Art Schottsuppe aus dem ganzen Brei woraus dann endgültig Papier gemacht wurde. Das Papier war zum Teil braun oder weiß, ja alle Farben. Die Arbeiter schauten je nach Farbstoffe bald grün, bald blau, bald gelb aus. Eine besondere Spezialität war das sogenannte "Hirschenpapier", das an der Unterseite rot und auf der Oberseite grün, wo in einer Art Wasserdruck ein brauner Hirsch durchschimmerte.
Ortner der dann Vorarbeiter geworden war, arbeitete beim Holländer. Das getrocknete Papier wurde dann zusammengerollt in Ballen. Ortners Frau mußte immer ausmustern für die Agenten, die auf Papierhandel ausgingen. Dazu mußte die beste Qualität ausgesucht und sortiert werden. Der Handel ging bis vor dem Kriege gut bis hinunter in der Türkei nach Konstantinopel und nach Ägypten nach Kairo, wo man es für Verpackung von Tabak verwendete.

Jeden Tag wurden etwa zwei Waggon erzeugt und in Rollen zu einen Meter. Einmal geschah es daß der Melchhachtl Ludwig um 10.00 Uhr abends nach Hause ging, da geschah ein großer Felssturz im Ramingsteinergraben, wobei er ums Leben kam. Als seine Frau früh die Suppe hintragen wollte sagte man ihr: "Dein Mann ist tot". Darauf sagte Sie: "Unkraut verdirbt nicht."   Sie selbst ist aber darunter gekommen als im Lagerraum ein großer Stoß Papierballen umgefallen war. Was die Kamine angelangt, war zuerst ein großer blechener Kamin erst später wurden zwei Ziegelkamine errichtet.

Der erste Fabriksleiter war Josef Baudisch, 1905 - 1919. Der 2: Lückenflicker Ludwig Baader, er hatte einen Andreas Hofer Bart. Der 3. Lechthaler: dieser wurde am Karfreitag 1920 entfernt. Die ging so zu: Der Holländer Müller Kohlbrunner wurde sehents ohne Grund seines Postens enthoben und dafür arbeitslos. Betriebsrat Ortner und Gewerbschaftsobmann der sozialistischen Arbeiter stelltesich auf einen Blocchaufen und hielt als Wortführer eine Rede an die ungefähr 350 Arbeiter und etwa 20 Frauen. Während dieser Aktion wurde die Fabrik komplett stillgelegt. Vom Blochhaufen herunter informierte Gewerbschaftsobmann Ortner die Arbeiter nicht zu streiken, sondern passivenWiderstand zu leisten, aber den Marsch zur Direktion anzutreten. Lechthaler saß am Schreibtisch etwas erschrocken. Der Wortführer Ortner sagte:" Die Kündigung Kohlbrunners muß zurückgezogen werden, es sei denn, daß ab heute mit passiver Resistenz begonnen wurde." Lechthaler antwortet:" Wann das, dann trete ich als Direktor zurück!" Ortner." Wenn Sie ein Mann sind, werden sie es tun!" Dann erhob er sich, stand auf, griff nach seiner Pfeife und Tabak und Augengläser und ging ab. Die Betriebsräte gingen ihm nach über die Stiege. Ortner stellte sich wieder auf den Blochhaufen und sagte:" Das Beste leisten, damit niemand sagen kann, es gehe jetzt nicht mehr so gut. Lechthaler blieb dann in der Villa und ließ sich nicht mehr blicken.
In einigen Tagen kamen die Herren von der Anglobank aus Wien, die Sache zu untersuchen. Sie saßen in der Villa zusammen. Direktor Lechthaler, die 5 Betriebsräte und die Herren von der Anglobank. Der Wortführer der Wienerherren war Traub, Direktor . Dieser fragte:" warum er den Posten verlassen hatte?" Da stand Lechthaler auf, er griff hinten den Revolver und erklärte den Revolver gegen Ortner hinhaltend:" weil SIE den Revolver MIR angesetzt haben!" Darauf hin erbleichten die Wiener Herren und die ganze Aussprache war beendet und der Direktor war entlassen.

Die Versammlung stand auf, ohne ein Wort zu sagen. Der Wortführer Direktor Traub sagte." Die Verhandlung ist beendet!" Die Wiener Herren verließen Madling und er Betrieb ging weiter unter dem neuen Direktor Baader. Es war der Gründonnerstag 1. April 1920. Buchhalter Baader, Ludwig Wiggerl. Der 4. Rittmeister Franke, ein Sudethenländer, folgte ihm nach. Lechthaler war in Oberösterreich gewesen, war Fachmann in verschiedenen Papierfabriken tätig gewesen, aber er hatte seine eingenen Ansichten. Er war von aussehen groß und stark, ein fescher Bursch aber selbst seine Frau sagte:" Er wird sich nicht lang halten! Egoist! Er trug kleine Brillen, sich intelligent benommen, hatte Manieren. Aber wenn er bei einem Arbeiter etwas gesehen hat, schrie ihn zusammen wie tobsüchtig.

Rittmeister Franke war dann Direktor bis zum Schluß, ebenso war die Anglobank in Wien Besitzer bis der Besitz 1926 in schwarzenbergischen Besitz überging. Ein Bauer aus Kendlbruck erzählte mir:" Er saß 1925 im Herbst gerade beim Gasthaus Lussnig (jetzt Jost). Einige Tische voll saßen beisammen und da kam der Wirt herein, der zugleich Bürgermeister in Ramingstein war und sagte:" All weil Wolkenbruch über Ramingstein !" Da sagten die anderen:" Was hat er denn?" Darauf der Wirt:" I mags gar nit sagn!"  Die anderen:" So red dich aus!" Der Wirt:"Der Fürst har die Fabrik gekauft, es wird genau so werden wie in Turrach auch dort hat er das Eisenwerk gekauft und bald war es stillgelegt!"

Damals erbte oder kaufte er auch die Besitzung Anna Neuberg, 300 Arbeiter hatten noch gearbeitet. Als die Fabrik gekauft wurde waren von Konstantinopel nach Bestellungen für ein ganzes Jahr Arbeit vorhanden Die eigentliche Papiermaschine wurde angeblich nach Triest gebracht, 1927 gingen einige Fabrikler 7 Stunden zu Fuß nach Kärnten in die Holzarbeit, dort gab es Arbeit. Alle 14 Tagen kamen Sie wieder heim. Soviel war die von Grafen Lampert aus dem Ennstal ursprünglich erbaute Schleiferei 1896 und später 1903 mit Papiermaschine und Elektrowerk gegründete Fabrik wieder ad acta gelegt. Während des Krieges 1914 - 1918 waren viele Arbeiter eingerückt und mußten die Weiber in die Fabrik gehen.

Der alte Roaner namens Josef König, der eine ansehnliche Familie aufgezogen hatte und sein Lebtag christlicher Arbeiter war und nach dem Grundsatz handelte, daß die Religion doch das Erste und Fundamental sei. In Österreich war aber von 1918 bis 1924 eine sozialdemokratische Regierung. Die Fabrik war in der Hand der Partei , König, der Roaner im Winkl bot sich als Arbeiter an. Da fragten Sie ihn, ob er bei der Partei sei? "Nein" antwortete er. Willst du in die Partei eintreten? "Nein" antwortete er. "Dann haben wir für dich keinen Posten!" König ging ab. Man hatte wohl unter dem christl. Gewerkschaftsführer Göllner, eine christliche Gewerkschaft, die aber später unter .........."rotlich wurde". Über den Streik äußerte er sich folgendermaßen:" unsere Lohnforderungen nutzen nichts, weil die Kaufleute dazwischen mit den Preisen hinauffahren, so daß ich zuerst das was ich um 5 Schilling bekommen habe nach den Streik mit 10 kaufen muß. Einmal mußten wir bei der Holzarbeit streiken, bekamen dadurch etwas weniger und mußten aber dann wegen ungünstiger Witterung das ganze Holz aus dem tiefen Schnee zusammenkratzen.
 Religion sagte man damals "ist Opium für das Volk".

Ein Madlinger namens Aschbacher sah in Nordafrika - Ägypten noch einen mit Hirschenpapier austapezierten Raum.
Mit Erlaubnis des geschätzten Pfarrers

Valentin Pfeifenberger


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