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Tauernpost von 1910

Der Reisende, der sich ab Unzmarkt in unsere Lokalbahn setzt, um das oberste Murtal zu durchfahren, wird sich gewiss durch das Kupeefenster die herrlichen Schönheiten dieses Fleckchens Erde besehen. Während ungefähr dreistündiger Fahrt ist kein bedeutenderes Industrieetablissement längs der Murtalbahn zu sehen als die Ramingsteiner Papierfabrik, über die wir heute einiges Interessante unseren Lesern berichten wollen.
Der Zusammenhang der Forstwirtschaft mit der Papiererzeugung ist ein soinniger, weil der am meisten verwendete Grundstoff in der heutigen modernen Papiererzeugung das Holz ist. Die Errichtung der Papierfabrik in Ramingstein war also durch die natürlichen Anlagen begünstigt und kann wohl als für die volkswirtschaftlichen Verhältnisse im Lungau segensreich bezeichnet werden.
Als Direktor steht Herr Josef Baudisch dem Unternehmen vor, welcher auch hervorragend fachliterarisch tätig ist und sich daher des geachteten Rufes in der gesamten Papierfachwelt erfreut.
Wollen wir nun eine flüchtige Wanderung durch die Fabrik machen, so müssen wir zuerst die Seele jedes industriellen Unternehmens die Kraftanlage, besichtigen. Eine schwache Viertelstunde Muhraufwerts von der Fabrik entfernt, können wir den ingeniösen, 1150 Pferdekräfte entwickelnden Wasserbau anstaunen. Wir folgen dem in ein Betonbett geleiteten Wasserarm und treten zuerst in die von drei Zwillingsturbinen (jede 300 Pferdekräfte) in Gang gehaltene Holzschleiferei, wo das bereits in 50 Zentimeter lange Klötze geschnittene Holz in sechs Defibreuren (Schleiffern) unter hydraulischem Druck zerkleinert wird, dass es breiartige Beschaffenheit hat; dann wird er auf die sechs Pappenmaschinen geleitet und nach dem Durchgang durch eine Reihe von Zilindern, auf denen durch Filzbahnen der Stoff mitgenommen wird, ist der Holzstoff fertig. Derselbe wird, getrocknet und gepresst, täglich 15.000 Kilogramm weißen und braunen Holzstoffes oder Handpappe betragen. Der allergrößte Teil des selbsterzeugten Holzstoffes wird in der Ramingsteiner Papierfabrik zur Herstellung verschiedener Kartons verwendet. Die Kartonfabrik wird mit einer eigenen Turbine von 250 Pferdekräften, mit der sieben Elektromotoren von 2 bis 110 Pferdekräften gespeist werden, betrieben. Die kühn aufgebaute Kartonmaschine hat eine Länge von 62 Metern (die größte derartige Maschine in Österreich), ihre höchste Leistungsfähigkeit beträgt 20.000 Kilogramm Karton in 24 Stunden.  Verfolgen wir nun den Werdegang des Kartons! Der Holzstoff kommt von der Schleifferei zuerst in die vier Holländer, die zur weiteren Verarbeitung desselben bestimmt sind. In diesen sehen wir also noch eine breiige Masse, die von hier aus auf die Kartonmaschine geleitet wird, und keine 20 Schritte ans andere Ende des Saales haben wir schon den fertigen trockenen Karton vor uns.
Zum Schlusse sei noch angeführt, dass das gesamte Unternehmen bis 180 Personen beschäftigt, für die es in sozialer Fürsorge auch Wohlfahrtseinrichtungen schuf. Die Angestellten erhalten freie Naturalwohnung oder Quartiergeld hierfür, ein großer Teil freie elektrische Beleuchtung, sämtliche freie Beheizung, jeder hat ein Stück Feld unentgeltlich zur Verfügung; es besteht auch ein eigener Konsumverein.
Die Fabrik hat sich einen Platz auf dem ausländischem Weltmarkt erobert; so gehen beispielsweise ihre Spezialerzeugnisse u. a. nach Konstantinopel und ein in neuester Zeit nach einem Patent des Herrn Direktors Baudisch gestelltes Papier nach China und Aegypten.

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